Arbeiten in digitalen Welten – Arbeit 4.0

Befragung akademischer Mitarbeiter

Im Bereich des Personalwesens ist die Digitalisierung wie in vielen anderen Bereichen eines der treibenden Themen. Die Thematik bekommt im Arbeitsfeld Human Resources mehrere Dimensionen und eine erhöhte Brisanz. In seinem aktuellen Aufsatz im Net-Book Zukunftsmanagement bezieht sich Simon Mamerow, HR-Experte des trendence Instituts und Dozent an der University of Applied Sciences Berlin, unter anderem auf die diesjährige Befragung akademischer Mitarbeiter zwischen einem und acht Jahren Berufserfahrung. Für die Beurteilung der Attraktivität des Arbeitgebers waren die wichtigsten Faktoren: Attraktive Arbeitsaufgaben, eine gute Work-Life-Balance und die persönliche Entwicklung.

“Sammelwut” ist kontraproduktiv

Die Performance von Unternehmen hängt trotz Digitalisierung und Automatisierung heute vor allem von der Kompetenz und dem Engagement der Mitarbeiter ab. Personalarbeit bedeutet deshalb insbesondere das Profil und die Entwicklungsmöglichkeiten jedes Einzelnen verfügbar zu haben und bewerten zu können. Die Gefahr der Digitalisierung besteht zunächst darin, dass eine Art „Sammelwut“ entsteht und immer mehr Daten gesammelt werden. Mamerow fragt in seinem Aufsatz deshalb, ob denn diese Daten auch zu werthaltigen Informationen führen, die Entscheidungen unterstützen oder im Idealfall besser machen.

Sozialer Bezug

Mamerow geht dann noch einen Schritt weiter und führt als weiteres Begriffspaar „Arbeit“ und „Beschäftigung“ ein. „Aktuelle Definitionen der Arbeit gehen von Tätigkeiten im sozialen Umfeld mit Auswirkungen auf die Wirksamkeit, Macht und Anerkennung des Einzelnen in Wechselwirkung mit der Gesellschaft aus. Diese Definitionen stammen zumeist aus der Soziologie und haben sicherlich ihre Berechtigung. Wenn wir jedoch den digitalen Strom und den Umgang mit ihm betrachten wollen und zur Bewertung das ‚Datum‘ der ‚Information‘ gegenüberstellen, so müssen wir adäquat dazu die Arbeit auch wieder auf ihre prozessuale Urdefinition oder zumindest in dessen Nähe rücken. Dies gelingt für unsere Betrachtung, indem wir unterstellen, dass die Tätigkeit darauf abzielt, einen äußerlich erkennbaren Mehrwert zu erzeugen.

Arbeit und Beschäftigung

Ursprünglich war die Arbeit“, so Mamerow, „Aufwand der betrieben werden musste, um die Existenz der eigenen Person oder Familie zu sichern. Diesem Bereich sind wir im aktuellen Umfeld lange entwachsen und manchmal sind wir uns dieser Wurzel offensichtlich gar nicht mehr richtig bewusst. Der „Arbeit“ gegenüber steht die „Beschäftigung“.

Massiv Multiplay Online Role Play Games (MMORPG)

Im digitalen Ozean gibt es teilweise sehr aufwändige Möglichkeiten sich zu beschäftigen. Ein gutes Beispiel hierfür sind die sogenannten Massiv Multiplay Online Role Play Games (MMORPG). In diesen Spielen wird das Leben einer oder mehrerer Personen übernommen und auch ausgeführt. Dies geht soweit, dass die Person Aufgaben abarbeiten muss die reale Zeit kosten, um zu überleben oder weiter an Erfahrung und Kraft zu wachsen. Der Zeitaufwand dafür kann pro Tag im zweistelligen Bereich liegen und einige der Aufgaben sind dabei nervlich ähnlich anspruchsvoll wie das Lenken eines Flugzeugs – Beschäftigung pur über den zeitlichen Umfang eines Arbeitstags. Das Problem ist nun, für die mit dem Spiel befasste Person ersteht aus der Tätigkeit ein Wert.“

Wert muss für Außenstehende erkennbar sein

Mit Recht bestreitet Mamerow, dass es sich hierbei um Arbeit handelt. „Der Wert ist für Außenstehende nicht zu erkennen und außerhalb der digitalen Welten nicht vorhanden. Damit sind wir beim letzten Punkt der Definition angelangt: der Wert der Arbeit muss für Außenstehende erkennbar sein und eine Anwendung oder Entsprechung in der realen Welt haben. Innerhalb einer Subkultur ist der Begriff der Wertigkeit nur schwer zu bestimmen, der Wert der Arbeit sollte aber darüber hinausgehen.

Arbeit ist …

Somit wäre der Rahmen abgesteckt. Arbeit ist, was einen Wert erschafft, der gesehen und vermittelt werden kann und Information ist der Anteil der Daten, der hierzu als Rohstoff notwendig ist. Beide Begrifflichkeiten befassen sich mit dem Menschen, welcher in Akten und strategischen Überlegungen zwar Gegenstand ist, aber niemals vollumfänglich beschrieben werden kann und darf.“

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Über den Autor

Simon Mamerow

trendence Institut und University of Applied Sciences, Berlin