Nachhaltigkeit der Welternährung – Was kommt auf uns zu?

Mit seinem Vortrag am Institute of Culinary Art® hat Prof. Radermacher die Perspektiven einer nachhaltigen Welternährung in einer ökosozial gestalteten Welt aufgezeigt.  Er skizzierte die Entwicklung der Menschheit seit dem 17. Jahrhundert, beschrieb unsere heutige Situation und zeigte Möglichkeiten auf, wie sich die Situation der Menschheit verbessern könnte.

Armutsquote heute noch erschreckend hoch

Prof. Radermacher stellt fest: Von den 7 Milliarden Menschen, die heute die Welt bevölkern gilt 1 Milliarde als arm, das heißt, diese Menschen müssen mit maximal einem Dollar pro Tag auskommen, werden also nicht satt. Ghandi sagte, dass Hunger der größte Terror sei. Dies bedeutet für Radermacher, dass jeder, der noch “einen Funken Gefühl hat und kein Roboter ist” bedrückt sein muss und aufgefordert ist, nach Lösungen zu suchen.

Hunger ist der größte Terror

Im 17. Jahrhundert gab es auf der Erde lediglich 700 Mio Menschen. Hunger war an der Tagesordnung. Hunger gab es eigentlich überall, auch in Berlin, in Bayern, in Tirol. Die Hälfte der Menscheit arbeitete in der Landwirtschaft. Heute sind es noch 2 Prozent. 1965 waren es 3 Milliarden Menschen, die die Welt bevölkerten, heute sind es 7 Milliarden und im Jahr 2052 werden es – so die Prognose des Club of Rome – 10 Milliarden Menschen sein.

Arme wollen reich werden

Wie also kann man die Ernährung und damit das Leben dieser Menschen sicherstellen? Wir in Deutschland werden weniger sein. Das immense Bevölkerungswachstum wird in Indien, China und Afrika stattfinden. Allein in Schwarzafrika wird es 2052 1 Mrd. Menschen mehr geben als heute. Das Problem ist dabei, dass es die Armen sind, die das Bevölkerungswachstum tragen und auch nach einem Lebensstandard streben, den sie aus den entwickelten Ländern kennen. Die Welt hält jedoch mehr Arme leichter aus als Reiche.

Mehr Fisch und Fleisch werden nachgefragt

Das hieße dann: Es wird viel mehr Fleisch und Fisch, viel mehr Landfläche für den Bau von Häusern und Infrastruktur und viel mehr Energie benötigt, was zu Knappheit und zur Umweltbelastung führen würde. FFF, also die Abkürzung von Food, Filet und Fuel speisen sich nämlich alle aus der gleichen landwirtschaftlichen Quelle, nämlich der kleiner werdenden landwirtschaftlichen Fläche.

Hindernisse bei Lösungen

Dennoch müsste niemand hungern. Denn die landwirtschaftlichen Ressourcen unserer Erde reichten aus, um mindestens 13 Mrd. Menschen mit Nahrung zu versorgen. Doch diese Annahme lässt außeracht, dass die landwirtschaftlichen Erzeugnisse den Menschen nicht direkt erreichen. Ein großer Teil wandert erst über die Ernährung der Tiere, speziell der Rinder zu den Menschen. Das führt dann zu gravierenden Problemen und Engpässen.

Brasilianisierung droht

Der Club of Rome und auch Prof. Radermacher gehen davon aus, dass wir auf der Welt “keine harmonische Landung” hinkriegen. Die Chancen sieht der Autor bei 35 Prozent, der Rest des Club of Rome bei 10 Prozent. Es deutet alles darauf hin, dass wir eine Teilung der Welt in Reiche und Arme bekommen, das heißt, die “Brasilianisierung” unserer Welt wird kaum zu verhindern sein.

Dies bedeutet, dass in Amerika und Europa die Menschen schlechter leben als heute, konkret:

  • 90 % können kein Auto mehr fahren,
  • kein Steak mehr essen und
  • im Winter nicht heizen

Dadurch würde sich, das Energie- und das Klimaproblem erledigen. Die Energiepreise werden dann so hoch sein, dass die Einkommen nicht ausreichen, sie zu bezahlen. Die Menschen werden 5 Jahre früher sterben als heute, was zu einem Entlastungseffekt bei Rentenkasten und den Staatsschulden führt.Und: Die Inder und Chinesen wollen dann auch nicht mehr reich werden, denn wir sind Vorbild.

Lösungen in Sicht

Diese Vorstellung sind quasi mathematische (Hoch-) Rechnungen. Es gäbe aber auch eine machbare Lösung. Sie sieht vor, dass die Landwirtschaft, insbesondere die Rinderzucht auf Soja und Mais verzichtet und sich die Rinder von Gras ernähren. Dann gäbe es durch das wegfallende Methan  mit seiner extremen CO2 -Belastung sogar eine posistive Klimabilanz. Und die Nutzung der Ressource Wald durch Aufforstung und Hightech-Ernte und Heizungssysteme (Pellets) ebenfalls eine günstige Umweltbilanz.

Ökosoziale Marktwirtschaft

Die Einführung einer ökosozialen Marktwirtschaft könnte auch das Problem der Unterbeschäftigung lösen und damit die Kaufkraft mobilisieren, die nötig wäre, um die Spaltung der Gesellschaften zu vermeiden. Beispiele gibt es in Indien, wo 500 Mio Menschen 100 Tage zum Mindestlohn arbeiten können oder sogar in Brasilien, wo Nahrungsmittelpakete verteilt wurden, wenn die Kinder in die Schule geschickt wurden. Auch kann die Wegwerfquote bei Lebensmitteln durch technische Lösungen gesenkt werden.

Es ist zu hoffen, dass es der Welt gelingt, in den nächsten Jahrzehnten eine tragfähige Lösung zu finden.

>>> Siehe hierzu auch: https://www.clubofrome.de/jahrestagung-2018

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Über den Autor

Prof. Dr. Dr. Dr. h.c. Franz Josef Radermacher, Präsident des Senats der Wirtschaft, Berlin, Mitglied des Club of Rome (Vortrag) | Zukunftsmonitor-Redaktion (Summary)