Münchner Management Kolloquium

Krise als Beschleuniger von Innovation

Das 28. Münchner Management Kolloquium am 9./10. März 2021 mit dem Titel “Innovationsbeschleuniger Krise: Krisenmanagement – Hochlaufkurven – Wachstumspfade” stand dieses Jahr verständlicherweise unter dem Zeichen von Corona, bzw. Covid-19. Nahezu alle der angereisten oder digital vertretenen hochrangigen 80 Vertreter aus Wirtschaft und Politik (unter ihnen Oliver Zipse von BMW, Markus Duesmann von AUDI und Carsten Spohr von Deutsche Lufthansa) haben dargelegt, wie sie sich auf die Jahrhundert-Epidemie eingestellt und wie sie sich im ersten Jahr in ihr behauptet haben.

Bei der Vorbereitung der Tagung ergaben sich bereits Leit- bzw. Evolutionslinien, denen viele Unternehmen gefolgt sind und die im Laufe der zweitägigen Tagung noch vertieft dargestellt und diskutiert wurden. Eine breite und dennoch tiefe Diskussion zwischen mehr als 2000 Teilnehmern war möglich, da die Veranstaltung zwar im Kern lokal, zum größten Teil jedoch digital stattgefunden hat.

Diese Teilnehmerzahl bedeutete einen Quantensprung zu den in den Vorjahren ausschließlich im Audimax bzw. einem Hörsaal der TU München (TUM) abgehaltenen Veranstaltungen. Eine Entwicklung, die in dieser Schnelligkeit und Konsequenz ohne die Krise Corona wohl nicht stattgefunden hätte.

Nach Covid-19 wird vieles anders sein.

Aus der unterschiedlichen methodischen Herangehensweise der Unternehmen in der Corona Zeit lassen sich Muster für erfolgreiches Krisenmanagement, für effektive Hochlaufkurven und profitable Wachstumspfade ableiten. Schon heute steht fest, dass diese Krise ein Evolutionsbeschleuniger für einige Trends geworden ist.

Das „New-Normal“

Auch ist schon heute festzustellen, dass wir nicht mehr zurückkönnen, sondern dass es ein „New-Normal“ geben wird, adaptiert um neue Schwerpunkte in unserer Entwicklung, die sich heute wie folgt darstellen:

  • Digitale Services und Plattformen als Schwungrad
  • Mehr Simulation
  • Hyperflexibilität mit Domain-Wissen als Anker
  • Mehr digitales Arbeiten
  • Wirkliches Verständnis für Agilität und deren Umsetzung
  • Lean plus Robustheit
  • Der Staat als Unternehmer

Rückblick auf Joseph Schumpeter und …

Um die Bedeutung der Corona-Krise zu begreifen, lohnt der Rückgriff auf zwei große Denker im deutschsprachigen Raum. Der eine ist der österreichische Ökonom Joseph Schumpeter, der als wesentliches Merkmal des Kapitalismus die ständige Zerstörung des Bisherigen bezeichnete. Diese bewerkstelligt laut Schumpeter der schöpferische Unternehmer, indem er mit Innovationen unablässig das Bestehende hinwegfegt, so wie Steve Jobs mit seinem iPhone das herkömmliche Handy.

… Friedrich Hegel: Das Negative kann positiv sein

Auch die Corona-Krise sorgt für Zerstörung. Doch so vernichtend die Wirkung scheint, so Recht hat gleichzeitig der deutsche Philosoph Friedrich Hegel, der da sagte, „dass das Negative ebenso sehr positiv ist“. Damit meinte er, dass an die Stelle dessen, was verneint oder zerstört wird, zwangsläufig und immer auch etwas anderes Neues tritt. Dies trifft – unabhängig von allen Opfern und Geschädigten – auch für die Corona-Krise zu.

Neues entsteht

Schon jetzt lässt sich erkennen, dass das Virus im Schumpeter’schen Sinn vieles zerstört und im Hegel’schen Sinn vieles negiert hat. Doch dies wird durch Neues ersetzt werden, das es zu betrachten gilt.

Erstens: Digitale Kommunikationsformen

Covid-19 wird viele unserer Einstellungen verändern und zu Verhaltensmustern führen, die letztlich in mehr Fortschritt münden. Digitale Kommunikationsformen, vermeintlich einer Avantgarde vorbehalten, verwandeln sich unter dem Diktat des Virus in Kulturtechniken, denen sich fast niemand mehr verschließt, sondern sich einsichtig anschließt.

Tele- und Videokonferenzen verlieren ihre Exotik und durchlaufen einen überfälligen Praxistext, der ebenso die Defizite wie die Wege zur breitflächigen Einführung aufzeigt. Die Notwendigkeit zum Home-Office, eben noch Markenzeichen junger Digitalunternehmen, bringt auch Traditionsunternehmen dazu, sich dieses Instruments zu bedienen und nebenbei die darin schlummernden Produktivitätsreserven zu erkennen.

Ein Zurück wird es nur geben, wo körperliche Präsenz unbedingt erforderlich ist. Ansonsten wird die Corona-Krise ein Innovationsbeschleuniger, ohne den sich vieles nur langsam durchgesetzt hätte.

Zweitens: Perspektivenwechsel

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AUTOR/-IN

Univ.-Prof. Dr. Dr. hc. mult. Horst Wildemann, TU München und Geschäftsführer TCW, München