Technologischer Wandel und Beschäftigungspolarisierung

Joscha Schwarzwälder, Bertelsmann-Stiftung, Gütersloh


Inhalt  

- Summary

- Beschäftigungswachstum an den Rändern 

- Stagnation in der Mitte

- Polarisierungstendenzen bei atypischer Beschäftigung

- Nachfrage nach Routinetätigkeiten sinkt

- Politische Schlussfolgerungen  


Summary 

Spaltung des Arbeitsmarkts erkennbar

Die positive Beschäftigungsentwicklung der vergangenen zwei Jahrzehnte ging mit einem qualitativen Wandel der Beschäftigungsstruktur einher. Während die Mitte des Arbeitsmarkts stagnierte, wuchs die Erwerbstätigkeit vor allem in gering entlohnten und weniger qualifizierten Dienstleistungsberufen sowie im hoch entlohnten Bereich. Diese Polarisierungstendenzen waren zwar relativ schwach ausgeprägt, allerdings zeigt sich gerade auch hinsichtlich der Ausweitung der atypischen Beschäftigung eine zunehmende Spaltung des Arbeitsmarktes. Ursächlich hierfür sind neben dem technologischen Wandel und der Globalisierung auch die institutionellen Reformen seit den frühen 2000ern.

Gewinner und Verlierer

Technologischer Wandel und Globalisierung setzten vor allem die Mitte des Arbeitsmarkts unter Druck. Hier gibt es besonders viele Routineberufe, die durch Computer und Maschinen übernommen oder ins Ausland verlagert werden können. Deutliche Beschäftigungsgewinne gab es hingegen in den Berufsgruppen mit den geringsten und in jenen mit den höchsten Löhnen, in denen interaktive Tätigkeiten eine große Rolle spielen.

Automatisierung und Digitalisierung

Die Auswirkungen des technologischen Wandels auf Beschäftigung und Löhne sind durch die rapiden Fortschritte im Bereich der Automatisierung und Digitalisierung der letzten Jahre verstärkt in den Fokus von Politik und Wissenschaft gerückt. Mit dem technologischen Wandel verbindet sich dabei einerseits die Hoffnung auf Produktivitätsfortschritte und neue Wachstumspotenziale, auf der anderen Seite aber auch die Angst vor Beschäftigungsverlusten und einer weiteren Verschärfung der wirtschaftlichen und sozialen Ungleichheit.

Dennoch: Zunahme der Erwerbstätigkeit

Zumindest die These vom „Ende der Arbeit“ und einem generellen Rückgang des Beschäftigungsniveaus lässt sich aber für den deutschen Arbeitsmarkt bisher nicht bestätigen. Im Gegenteil: Die Erwerbstätigkeit hat sich gerade in den Jahren seit 2005 sehr positiv entwickelt und liegt mit 42,6 Mio. Erwerbstätigen im Jahr 2014 auch im längerfristigen Vergleich auf Rekordniveau.

 Allerdings führte der ökonomische Strukturwandel seit Mitte der 1990er Jahre zu teils deutlichen Verschiebungen in der Struktur der Erwerbstätigkeit. Einzelne Berufe und Qualifikationsgruppen profitierten dabei unterschiedlich stark von der positiven Arbeitsmarktentwicklung. Das betrifft sowohl das Beschäftigungswachstum als auch die Entwicklung atypischer Erwerbsformen in verschiedenen Berufsgruppen (vgl. Eichhorst et al. 2015).  

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